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  • Negativ
  • nach 1945

Beim Betreten des heutigen Museumsgebäudes ahnt man nicht, dass man mitten in einem ehemaligen Kirchengebäude steht. Der Kirchenbau umfasste ursprünglich zwei Stockwerke im Südflügel der Kreuzganganlage. Dort befanden sich ebenfalls die St.-Laurentius-Kapelle mit dem darüber liegenden Rittersaal, welchem der nächste Erzählstrang gewidmet ist. Die Keimzelle der Antoniuskirche entstand um 1440 als im Zuge von Erweiterungsarbeiten eine ostwärts angrenzende Kapelle zu Ehren des hl. Antonius des Einsiedlers gestiftet wurde. Über dieser Kapelle erstreckte sich der Schlafsaal der Domgeistlichkeit. Alle Domherren und -vikare mussten, bevor sie eine Messe im Dom abhalten, dort die Nacht zwecks innerer Sammlung verbringen. 

1655 wurde der Bau durch die Jesuiten komplett umgestaltet. Sechs Paare Eichenholzstützen teilten nun den Gesamtraum in drei Schiffe – mit hölzernen Kreuzgewölben und mit Emporen in den Seitenschiffen versehen. Die Kirche diente dem unmittelbar benachbarten Gymnasium Josephinum als Gymnasialkirche. 

Nach der fast vollständigen Zerstörung am 22. März 1945 wurde die Kirche nach Entwurf von Wilhelm Fricke (Hannover) als schlichter einschiffiger Saalraum mit Holzbalkendecke umgebaut. Schließlich schmolz die wiederhergestellte Antoniuskirche in den jetzigen Museumsbau. Ein Teil der Fassade schmückt als eine Art moderne Spolie das Innere des Museumsgebäudes und zeugt von der ehemaligen Existenz der Kirche.  

Die als schlichter Saalbau mit Holzbalkendecke wiedererrichtete Antoniuskirche beherbergte ab 1960/61 den Renaissance-Lettner, der sich ursprünglich im Dom befand. Als Lettner bezeichnet man eine Schranke, die in Kirchen den Raum für das Priester- und Mönchskollegium vom übrigen Raum trennte und sich daher meistens im Altarraum befand. Kurz nach seinem Wiederaufbau im Dom nach dem Krieg mehrten sich die Stimmen, die ihn als zunehmend unpassend empfanden. Die Wahl als neuer Aufstellungsort fiel auf die Antoniuskirche. Dieses Negativ zeigt den Lettner womöglich kurz nach seinem Aufbau in der Kirche. Lose Steinfragmente auf dem Boden, eine große Leiter sowie die Kanzel, die am rechten Bildrand sichtbar ist und noch nicht ihren zentralen Platz vor dem Lettner eingenommen hat, zeugen von den noch nicht zu Ende geführten Aufbauarbeiten.

Maße
8,7 cm × 11,8 cm
Fotograf
Hermann Wehmeyer
Copyright
Dommuseum Hildesheim
Datierung
nach 1945/um 1960
Hier geht es zur bewegten Geschichte des ehem. Lettners im Dom