Bei dem aufwendig gestalteten Kreuz aus dem Kirchenschatz von St. Michael handelt es sich um ein sogenanntes Gemmenkreuz (crux gemmata), das flächendeckend mit Edelsteinen, Perlen und Filigran geschmückt ist. Die Bezeichnung ‚Bernwardkreuz‘ ist auf den Hildesheimer Bischof Bernward (950/960-1022) zurückzuführen, der für eine rege Kunstproduktion in Hildesheim sorgte. Sein Schüler und Verbündeter, Kaiser Otto III., schenkte ihm eine Kreuzreliquie, die als wichtigstes Element das Zentrum des Objektes schmückt. Das kleine Goldkreuz im oberen Bergkristall gehörte wohl ebenfalls Bischof Bernward und wurde nach seiner Heiligsprechung selbst zur Reliquie.
Im bunten Universum von Edelsteinen auf diesem Objekt sind ebenfalls antike Gemmen (Schmucksteine mit Bildschnitzereien) eingeflochten. Diese spannenden Elemente fallen erst beim genaueren Betrachten des Kreuzes auf. Dank der fesselnden Makroaufnahmen auf Glasplatten, die sich im Nachlass des Hildesheimer Fotografen Hermann Wehmeyer erhalten haben, lassen sich die qualitätvolle Schnitzereien auf den Gemmen aus nächster Nähe betrachten und studieren.
Bei dieser Gemme handelt es sich um einen Ringstein aus dunkelviolettem Glas, der hier in Zweitverwendung das Bernwardkreuz schmückt. In Profilansicht abgebildet ist die römische Göttin Minerva, der die griechische Göttin Athene entspricht. Minerva wurde als Göttin der Weisheit, der Künste und des Wissens sowie der taktischen Kriegsführung verehrt. Dank der extremen Nahaufnahme ist eine einzelne kleine Schlange vor ihrem Gesicht sichtbar, die den Umhang der Minerva (der sogenannten Ägis) schmückt. Die Gemme stammt aus dem 1. Jh.v.Chr.