Bei dem aufwendig gestalteten Kreuz aus dem Kirchenschatz von St. Michael handelt es sich um ein sogenanntes Gemmenkreuz (crux gemmata), das flächendeckend mit Edelsteinen, Perlen und Filigran geschmückt ist. Die Bezeichnung ‚Bernwardkreuz‘ ist auf den Hildesheimer Bischof Bernward (950/960-1022) zurückzuführen, der für eine rege Kunstproduktion in Hildesheim sorgte. Sein Schüler und Verbündeter, Kaiser Otto III., schenkte ihm eine Kreuzreliquie, die als wichtigstes Element das Zentrum des Objektes schmückt. Das kleine Goldkreuz im oberen Bergkristall gehörte wohl ebenfalls Bischof Bernward und wurde nach seiner Heiligsprechung selbst zur Reliquie.
Im bunten Universum von Edelsteinen auf diesem Objekt sind ebenfalls antike Gemmen (Schmucksteine mit Bildschnitzereien) eingeflochten. Diese spannenden Elemente fallen erst beim genaueren Betrachten des Kreuzes auf. Dank der fesselnden Makroaufnahmen auf Glasplatten, die sich im Nachlass des Hildesheimer Fotografen Hermann Wehmeyer erhalten haben, lassen sich die qualitätvolle Schnitzereien auf den Gemmen aus nächster Nähe betrachten und studieren.
Das Glasplatennegativ wurde nachträglich bearbeitet, um eine Freistellung des abgebildeten Motivs zu erreichen. Die Rückseite des Negativs wurde mit schwarzen Streifen abgeklebt und um die Konturen des Objektes wurden rote Markierungen angebracht. Auf diese Weise würde das Bernwardkreuz im Positivbild vor komplett weißem Hintergrund erscheinen. Diese Strategie wurde bis in die 1950er Jahre hinein und oft auch darüber hinaus verfolgt, um den Bildraum um das Objekt herum in eine weiße oder schwarze Fläche aufgelöst zu zeigen. Eine ähnliche Vorgehensweise lässt sich ebenfalls bei zahlreichen weiteren Foto-Objekten beobachten.