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  • Negativ
  • nach 1945

Der malerische Kreuzgang des Hildesheimer Domkomplexes birgt neben dem 1000-jährigen Rosenstock ein weiteres Wahrzeichen dieses verwunschenen Ortes, nämlich die Annenkapelle. Die Stiftung des kleinen Juwels gotischer Architektur ist durch eine Urkunde aus dem Jahr 1321 belegt. Ihre ursprüngliche Funktion war mit dem Totengedenken verbunden: Hier sollten Seelmessen für die Verstorbenen gelesen werden. 

Im historischen Fotoarchiv gut dokumentiert ist jedoch ihre temporäre Nutzung als Ausstellungs- und Aufbewahrungsraum für eine Reihe von Kunstwerken, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und während des Wiederaufbaus des Domes hier aufgestellt und besichtigt werden konnten. Im Vergleich zu anderen Bereichen des Domkomplexes und des Domes selbst, blieb das kleine Gebäude weitestgehend verschont von den verheerenden Zerstörungen, die der Bombenangriff am 22. März 1945 auf Hildesheim brachte. Unter anderem fand auch das Adlerpult, dem hier einen eigenen Pfad gewidmet ist, zeitweise Unterschlupf in der Annenkapelle. Die Rolle als Ausstellungsraum verleiht dem Sakralbau eine besondere Atmosphäre, die in den historischen Aufnahmen nachzuspüren ist.

Dieses Negativ zeigt in engem Bildausschnitt einige der Kunstwerke, die im Zeitraum von 1947 bis 1960 in der Annenkapelle aufbewahrt wurden. Im Mittelpunkt des Foto-Objektes ist die Bronzeplastik eines Adlers auf einem Säulchen zu sehen. Dabei handelt es sich um eines der bedeutendsten Bronzewerke des 13. Jahrhunderts aus Hildesheim. Ursprünglich befand es sich auf der Säule neben der Kanzel im Dom und diente als Lesepult. Heutzutage ist das Objekt in die ständige Präsentation der Sammlung integriert, das dazugehörige Säulchen dagegen führt ein Depotdasein. Am rechten Bildrand der Aufnahme ist ein Teil der Bernwardsäule zu erkennen: ein weiteres herausragendes Werk der Plastik, das heutzutage im Dom zu sehen ist. Am linken Bildrand ist eine barocke Skulptur fragmentarisch zu sehen. Ein Fotoabzug, der höchstwahrscheinlich von diesem Negativ stammt und sich auf die Säule mit dem Adlerpult konzentriert, lässt sich im Pfad zum Adlerpult finden (siehe Verlinkung).

Maße
8,7cm x 11,8cm
Fotograf
Hermann Wehmeyer
Copyright
Dommuseum Hildesheim
Datierung
1947-1960
Hier geht es zur bewegten Geschichte des Adlerpultes