Der sogenannte Rittersaal und seine Verwandlungen spielen genauso wie die Antoniuskirche (siehe vorheriges Kapitel) bis heute eine wichtige Rolle in der Geschichte der Museumssammlung. Als ‚Rittersaal‘ bezeichnete man einen reich ausgeschmückten Sitzungssaal auf der Südostseite des Domes. Dort traf sich unter anderem die Hildesheimer Ritterschaft, woher auch der besondere Name dieses Raumes stammt.
Die Museumssammlung besteht aus dem Domschatz und aus weiteren Kunstwerken aus weiteren Kirchen und Klöstern. Während der Domschatz Teil der mittelalterlichen Ausstattung der Domkirche war und auf einer langen Geschichte zurückblickt, stammt die Gründungsinitiative eines diözesanen Museums erst aus dem 19. Jahrhundert und ist mit Bischof Eduard Jakob Wedekin (1796-1870) eng verbunden. Er sammelte sakrale Kunstwerke aus Hildesheimer Klöstern und Kirchen und setzte sich für die Einrichtung eines Museums für ihre Aufbewahrung ein. Da die Objekte des Domschatzes aktiv in der Liturgie Verwendung fanden, wurden diese kostbare Gegenstände in unmittelbarer Altarnähe an einem gut gesicherten Ort im Chorbereich des Kirchengebäudes aufbewahrt.
Für das neu geplante Museum musste man dagegen zunächst nach einem geeigneten Ort suchen. Die Wahl fiel auf dem Rittersaal, der ab 1871 für die Nutzung als Diözesanmuseum eingerichtet wurde. Zu der angedachten Museumsgründung kam es allerdings erst im Jahr 1978. Auch heute ist der Rittersaal in das Museumsgebäude integriert und birgt einen Teil der Museumssammlung.
Der von feinen Graustufen gezeichnete Fotoabzug zeigt den Rittersaal im Zustand um 1900. Ein schmaler zweifacher roter Rahmen markiert die Fotografie, die auf einem sogenannten »Karton mit gebläuten Fasern« aufgezogen ist. Der Karton lässt sich grob in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts einordnen. Unter dem Foto befindet sich eine handschriftliche Notiz in sogenannter Kurrentschrift. Dabei handelt es sich um eine schnell geschriebene Schreibschrift, die sich vor allem durch spitze Winkel auszeichnet und im 19. und im 20. Jahrhundert als gängige Schrift Nutzung fand. Der Text gibt uns Auskunft über die Ausstattung des ab 1871 als Diözesanmuseum eingerichteten Rittersaals: »Enthält jetzt d. Diözesanmuseum. 1483 m. Gemälden geschmückte Halle m. Bischöfen u. Kardinälen; später beseitigt. Deckenbild von Wink./Kampf d. Christentums gegen d. Laster d. Heidentums. An d. Wänden Gobelins Geschenke d. Dompropstes Freiherr v. Landsberg. (+1727)«.