Die Tierkampfszene gehört zu den ausdrucksvollsten Bronzeplastiken Hildesheimer Produktion aus dem 13. Jahrhundert. Die naturalistische Darstellungsweise wird geschickt mit der Funktion des Kunstwerkes kombiniert. Heutzutage wird die Tiergruppe im sogenannten Rittersaal im Dommuseum ausgestellt, jedoch bis zur Auslagerung im Zweiten Weltkrieg diente sie als Lesepult und war an der Kanzel des Domlettners angebracht.
Der Adler, der über einen zusammengekauerten Drachen und somit über das Böse triumphiert, ist ein symbolisch aufgeladenes Sinnbild, das den zentralen Predigtort im Dom markierte. Auf den ausgebreiteten Schwingen des Raubvogels wurde das liturgische Buch gelegt, zwei zurückgebogene Schwanzfedern dienten dem sicheren Halt des Buches. Im historischen Fotoarchiv des Dommuseums haben sich ausdrucksvolle Aufnahmen des Adlerpultes erhalten, die die Dynamik der Kampfszene einfangen und bewusst ins Szene setzen.
Vorhanden sind sowohl rein sachlich-dokumentarische Fotografien als auch dramatisch aufgeladene Kompositionen, die den Akzent auf die Emotionen der Protagonisten setzen. Als gestalterische Bildmittel dienen dabei primär die Wahl des Bildausschnitts und die Kameraperspektive in Bezug auf die Figurenachsen.
Im Unterschied zu den restlichen Aufnahmen, die das Objekt isoliert vor einem neutralen Hintergrund zeigen, erfahren wir von dieser Fotografie viel über die bewegte Geschichte des Adlerpultes. Ursprünglich befand es sich auf einer Säule neben der Kanzel im Dom und diente als Lesepult. In dem schmalen Bildausschnitt ist die Bronzeplatik samt der dazugehörigen Säule in einem nicht näher definierbaren Kircheninnenraum zu sehen. Abgebildet ist dabei das Innere der Annenkapelle, in der diverse Kunstwerke während der Periode des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg ausgelagert wurden. Am rechten Bildrand der Fotografie ist ein Teil der Bernwardsäule zu erkennen, die ebenfalls provisorisch in der Annenkapelle untergebracht wurde.