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  • Glasplattennegativ
  • nach 1945

Die Tierkampfszene gehört zu den ausdrucksvollsten Bronzeplastiken Hildesheimer Produktion aus dem 13. Jahrhundert. Die naturalistische Darstellungsweise wird geschickt mit der Funktion des Kunstwerkes kombiniert. Heutzutage wird die Tiergruppe im sogenannten Rittersaal im Dommuseum ausgestellt, jedoch bis zur Auslagerung im Zweiten Weltkrieg diente sie als Lesepult und war an der Kanzel des Domlettners angebracht. 

Der Adler, der über einen zusammengekauerten Drachen und somit über das Böse triumphiert, ist ein symbolisch aufgeladenes Sinnbild, das den zentralen Predigtort im Dom markierte. Auf den ausgebreiteten Schwingen des Raubvogels wurde das liturgische Buch gelegt, zwei zurückgebogene Schwanzfedern dienten dem sicheren Halt des Buches. Im historischen Fotoarchiv des Dommuseums haben sich ausdrucksvolle Aufnahmen des Adlerpultes erhalten, die die Dynamik der Kampfszene einfangen und bewusst ins Szene setzen. 

Vorhanden sind sowohl rein sachlich-dokumentarische Fotografien als auch dramatisch aufgeladene Kompositionen, die den Akzent auf die Emotionen der Protagonisten setzen. Als gestalterische Bildmittel dienen dabei primär die Wahl des Bildausschnitts und die Kameraperspektive in Bezug auf die Figurenachsen. 

Um die Ohnmacht des besiegten Drachen darzustellen, entschied sich der Fotograf in diesem Glasplattennegativ für eine extreme Aufsicht als gestalterische Mittel. Durch eine erhöhte Kameraperspektive blickt der Betrachtende auf das Tier herab. Dadurch wird die Kraft des angreifenden Adlers zusätzlich unterstrichen. Die am Rande des Bildes sichtbaren Kanten des Tisches, auf dem die Bronzeplastik platziert ist, deuten auf eine leichte Schrägsicht hin, die Dynamik erzeugt und gleichzeitig das Gefühl von Instabilität vermittelt.

Maße
12 cm × 16,4 cm
Fotograf
Hermann Wehmeyer
Copyright
Dommuseum Hildesheim
Datierung
nach 1945/bis ca. 1970