Die Tierkampfszene gehört zu den ausdrucksvollsten Bronzeplastiken Hildesheimer Produktion aus dem 13. Jahrhundert. Die naturalistische Darstellungsweise wird geschickt mit der Funktion des Kunstwerkes kombiniert. Heutzutage wird die Tiergruppe im sogenannten Rittersaal im Dommuseum ausgestellt, jedoch bis zur Auslagerung im Zweiten Weltkrieg diente sie als Lesepult und war an der Kanzel des Domlettners angebracht.
Der Adler, der über einen zusammengekauerten Drachen und somit über das Böse triumphiert, ist ein symbolisch aufgeladenes Sinnbild, das den zentralen Predigtort im Dom markierte. Auf den ausgebreiteten Schwingen des Raubvogels wurde das liturgische Buch gelegt, zwei zurückgebogene Schwanzfedern dienten dem sicheren Halt des Buches. Im historischen Fotoarchiv des Dommuseums haben sich ausdrucksvolle Aufnahmen des Adlerpultes erhalten, die die Dynamik der Kampfszene einfangen und bewusst ins Szene setzen.
Vorhanden sind sowohl rein sachlich-dokumentarische Fotografien als auch dramatisch aufgeladene Kompositionen, die den Akzent auf die Emotionen der Protagonisten setzen. Als gestalterische Bildmittel dienen dabei primär die Wahl des Bildausschnitts und die Kameraperspektive in Bezug auf die Figurenachsen.
Der Fotograf dieser ausdrucksvollen Gesamtaufnahme ist unbekannt. Entscheidend für die Bildkomposition ist eine starke diagonale Linie, die eine zusätzliche Lebendigkeit im abgelichteten Motiv hervorbringt. Die Tierplastik ist in einer Dreiviertelansicht und leicht nach hinten gekippt präsentiert. Die schräge Haltung wird durch eine beinahe unsichtbare Stütze ermöglicht, an der der hintere Teil des Adlers angelehnt ist. Trotz der weißen Farbe des Stoffes, die ihn in den ebenfalls weißen Hintergrund aufgehen lässt, unterstreicht der kaum sichtbare Faltenwurf die Diagonale, die sich von links oben nach rechts unten durch die Bildfläche hindurchzieht. Die geneigte Haltung der Bronzeplastik verdeutlicht die Dynamik des Angriffs des Adlers, der sich unmittelbar auf den Drachen zu stürzen scheint. Die kontrastreiche Ausleuchtung des Greifvogels betont die Plastizität des Kunstwerks.