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  • Glasplattennegativ
  • nach 1945

Der malerische Kreuzgang des Hildesheimer Domkomplexes birgt neben dem 1000-jährigen Rosenstock ein weiteres Wahrzeichen dieses verwunschenen Ortes, nämlich die Annenkapelle. Die Stiftung des kleinen Juwels gotischer Architektur ist durch eine Urkunde aus dem Jahr 1321 belegt. Ihre ursprüngliche Funktion war mit dem Totengedenken verbunden: Hier sollten Seelmessen für die Verstorbenen gelesen werden. 

Im historischen Fotoarchiv gut dokumentiert ist jedoch ihre temporäre Nutzung als Ausstellungs- und Aufbewahrungsraum für eine Reihe von Kunstwerken, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und während des Wiederaufbaus des Domes hier aufgestellt und besichtigt werden konnten. Im Vergleich zu anderen Bereichen des Domkomplexes und des Domes selbst, blieb das kleine Gebäude weitestgehend verschont von den verheerenden Zerstörungen, die der Bombenangriff am 22. März 1945 auf Hildesheim brachte. Unter anderem fand auch das Adlerpult, dem hier einen eigenen Pfad gewidmet ist, zeitweise Unterschlupf in der Annenkapelle. Die Rolle als Ausstellungsraum verleiht dem Sakralbau eine besondere Atmosphäre, die in den historischen Aufnahmen nachzuspüren ist.

Ein besonderes Details verbirgt sich in der roten Fläche auf dieser Glasplatte, die den Kreuzgang mit der Annenkapelle und die Domruine im Hintergrund im Zustand nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zeigt. Deutlich zu sehen ist das neue Dachwerk mit einer Kuperabdeckung, die aus Resten des zerstörten Domes bestand. Bei den rot eingefärbten Stellen handelt es sich um Retuschen. Sie sind auf einen unterbelichteten (Schatten-) Bereich aufgetragen, der im Abzug zu dunkel geworden wäre. Da Fotopapier für rotes Licht nicht empfindlich ist, sorgt die rote Farbe hier für eine Aufhellung.

Die mysteriöse Silhouette, die man in der unteren rechten Ecke der retuschierten Fläche sieht, ist wohl der Schatten des Fotografen, wie er gerade die neben ihm stehende Kamera auslöst. Betrachtet man die Bildperspektive, müsste er sich auf dem östlichen Flügel des Kreuzgangs bei vollem Sonnenschein befunden haben. Somit handelt es sich hierbei um ein außergewöhnliches Selbstporträt des Fotografen Hermann Wehmeyer.

Maße
12,9 cm × 17,9 cm
Fotograf
Hermann Wehmeyer
Copyright
Dommuseum Hildesheim
Datierung
nach 1945
Für weitere Beispiele einer Retousche